Übersehene Lebenswege in der eigenen Familie
Am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Das Datum geht auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee im Jahr 1945 zurück; seit 1996 ist dieser Tag in Deutschland gesetzlich als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ verankert und wurde 2005 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ erklärt. Für Familienforscherinnen und Familienforscher schließt dieses Gedenken auch jene Menschen ein, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen abtransportiert, vernachlässigt und ermordet wurden – die vorliegende genealogische Info-Grafik versteht sich als Recherchehilfe, um mögliche Spuren dieser oft verschwiegenen oder unbekannten Schicksale in der eigenen Familiengeschichte sichtbar zu machen.
Von Inga Guttzeit und Heiko Hungerige
Die nationalsozialistische sogenannte „Euthanasie“ war ein systematisches Mordprogramm, das sich gegen Menschen richtete, die als „lebensunwert“ diffamiert wurden. Zwischen 1939 und 1945 wurden
ca. 300.000 Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten in Tötungsanstalten verlegt oder durch gezielte Vernachlässigung, Hunger und Überdosierung von Medikamenten getötet.
Für die genealogische Forschung stellt sich dabei eine besondere Herausforderung: Nicht jeder Todesfall in einem Krankenhaus oder einer Anstalt während der Kriegsjahre war automatisch ein Mord.
Als NS-„Euthanasie“-Opfer gilt nach heutiger Definition eine Person, die institutionell angebunden war und in einer Einrichtung starb, die in zeitlichem und örtlichem Zusammenhang mit den
bekannten Tötungsprogrammen stand.
NS-„Euthanasie“-Opfer – Genealogische Recherchehilfe. Die Info-Grafik erläutert den historischen und begrifflichen Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen und zeigt zentrale Ansatzpunkte für die familiengeschichtliche Forschung, um mögliche Opfer in der eigenen Familiengeschichte zu identifizieren und einzuordnen. (Zum Download der Info-Grafik als pdf-Dokument bitte auf die Abbildung klicken.)
Die vorliegende genealogische Info-Grafik versteht sich als Recherchehilfe. Sie bietet Hinweise, Quellen und Fragestellungen, die bei der Untersuchung von Anstaltsaufenthalten, Todesorten und
Sterbedaten berücksichtigt werden sollten. Besondere Bedeutung kommt dabei der Auswertung von Krankenakten, Geburts- und Sterberegistern sowie Überlieferungen aus Landes- und Bundesarchiven
zu.
Genealogie bedeutet mehr als das Sammeln von Daten. Gerade am 27. Januar ist sie auch eine Form des stillen Gedenkens. Wer sich mit der eigenen Familiengeschichte befasst, übernimmt
Verantwortung: für die Erinnerung an Opfer, für eine kritische Einordnung der Quellen und für das Bewusstsein, dass hinter jedem Eintrag im Stammbaum ein menschliches Leben stand. Indem Opfer in
die Familien „zurückgeholt“ werden, ihre Namen und ihr Schicksal benannt werden, wird zur Aufklärung über dieses Thema beigetragen. Die Auseinandersetzung damit schärft das gesellschaftliche
Bewusstsein und fördert demokratische Werte.
Diese sowie weitere genealogische Info-Grafiken des Roland zu Dortmund e.V. können als pdf-Dokumente kostenlos hier heruntergeladen werden:
Weitere Informationen zu diesem Thema sind in Heft 6 und 21 unserer „Hilfen zur Familiengeschichtsforschung“ zu finden:
Die ersten 21 unserer Roland-Info-Grafiken sind auch als Buch erhältlich:
Roland zu Dortmund e.V. (Hrsg.) (2025)
Roland-Info-Grafiken
Ahnenforschung visuell erleben
Hardcover, DIN A4 quer, 56 Seiten, 19,95 €
ISBN 978-3-86424-686-9
Bestellungen bitte ausschließlich über den Verlag:
CARDAMINA Verlag Susanne Breuel
Art-Nr. CHR-00346

