„Ahnen sparen“ mit Ahnenimplex
Nach der sehr positiven Aufnahme unserer „Roland-Info-Grafiken“ in Buchform geht es nun weiter mit informativen Schautafeln zu unserem liebsten Hobby, diesmal zum Thema „Ahnen sparen“ mit Ahnenimplex. Denn das aus biologischer Notwendigkeit in jeder Ahnentafel auftretende Phänomen des „Ahnenschwunds“ (oder besser: der Ahnengleichheit) verdeutlicht nicht nur die „Netzstruktur“ einer jeden, ausreichend erforschten Ahnentafel, sondern sorgt auch dafür, dass wir viel Zeit bei der Forschung einsparen können.
Von Heiko Hungerige
Bei Ahnenimplex (oder Ahnengleichheit) sind zwei oder mehr Plätze einer Ahnentafel durch ein und dieselbe Person besetzt (sog. „Mehrfachahnen“). Für die genealogische Forschung bedeutet das: Es müssen nicht alle Plätze einer Ahnentafel erforscht werden, da doppelt oder mehrfach auftretende Personen ja schon einmal erforscht wurden. Das heißt: Je höher der Ahnenimplex, desto weniger Forschungsarbeit!
Unsere neue Info-Grafik „Ahnen sparen“ mit Ahnenimplex. (Zum Download als pdf-Dokument bitte auf das Bild klicken.)
Unsere neue Roland-Info-Grafik veranschaulicht das. Sie zeigt einen Vergleich der zunehmenden Anzahl von Ahnen über 15 Generationen mit und ohne Ahnenimplex. Beispielhaft wurde dazu eine Reduktion von 6% pro Generation ab der 6. Ahnengenerationen mit einem durchschnittlichen Generationsabstand von 33 Jahren angenommen (vgl. dazu unsere Info-Grafik „Generationsabstand, Generationsverschiebung und Generationsspektrum“).
In der 15. Ahnengeneration (also um das Jahr 1530) sind theoretisch (ohne Ahnenimplex) 32.768 Personen zu erwarten (2 hoch 15 = 32.768), mit einer angenommenen Reduktion von 6% pro Generation ab der 6. Ahnengenerationen müssen jedoch nur 17.649 real existierende Personen erforscht werden – 15.119 Ahnenplätze (= 46,14% Implex) müssen nicht mehr erforscht werden. Jeder „gesparte“ Platz in der Ahnentafel schenkt uns also mehr Zeit, uns anderen genealogischen Fragestellungen zu widmen.
Hierbei berechnet sich der Ahnenimplex (i) pro Generation (k) über 1 minus (physische Anzahl der Ahnen in Generation k geteilt durch theoretische Anzahl der Ahnen in der Generation
k), formalisiert also: 1 – (apk / atk); wobei jede Person, die in der Ahnentafel mehrfach vorkommt, nur einmal gezählt wird (und zwar bei ihrer niedrigsten Ahnennummer). Für
unser Beispiel heißt das:
1 – (17.649 / 32.768) = 1 – 0,53860 = 0,4614, multipliziert mit 100 also ik = 46,14%.
Zu beachten ist, dass sich bei jedem erstmaligen Auftreten einer Ahnengleichheit in einer bestimmten Generation der Implex in allen weiteren Ahnengenerationen quasi „mechanisch“ fortsetzt. Dies
ist aber eine biologische Notwendigkeit und bietet keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Bereits 1907 bezeichnete der Baseler Journalist und Genealoge Julius Oscar Hager (1853 – 1914) diese sich in höheren Generationen
„automatisch“ fortsetzenden Implexe als Konsekutiv-Implexe, im Unterschied zum auslösenden Original-Implex. Griffiger ist hier jedoch die von Arndt Richter (1934 – 2024)
eingeführte Unterscheidung primärer vs. sekundärer Implex.
Da sich ein einmal entstandener Implex „mechanisch“ in alle folgenden Generationen fortsetzt, erhöhen diese sekundären bzw. konsekutiven Implexe nicht den realen Grad der Ahnengleichheit, sondern
sind lediglich eine zwingende Folge der Biologie und der Verdopplungslogik des Ahnenschemas. Dies ist der Grund dafür, dass jede Person, die in der Ahnentafel mehrfach vorkommt, bei der
Berechnung des Implexes nur einmal gezählt werden darf (und zwar bei ihrer niedrigsten Ahnennummer). Würden diese automatischen Wiederholungen in die Berechnung einbezogen, würde der
Implex künstlich aufgebläht und der tatsächliche genealogische Aussagewert verzerrt. Deshalb zählt für die Berechnung des Ahnenimplexes ausschließlich der primäre Implex – denn nur er zeigt, wo
und wie stark Ahnengleichheit tatsächlich entsteht. Und nebenbei bemerkt: Nicht jedes Genealogieprogramm berücksichtigt bei der Berechnung des Ahnenimplexes diese Unterscheidung. Wer eine
Anleitung sucht, wie sich der Ahnenimplex korrekt berechnen lässt, sei auf unsere Forschungshilfen Heft 5 und Heft 17 verwiesen.
Ein reales Beispiel wurde uns freundlicherweise von Weert Meyer zur Verfügung gestellt. Das nachfolgende Kreisdiagramm zeigt die Vorfahren einer noch lebenden Probandin aus Ostfriesland über 19
Generationen. Ahnenimplex tritt zum ersten Mal mit 4,7% in der 7. Ahnengeneration auf, ab der 13. beträgt er bereits 36,3% - und bleibt bis zur 19. Ahnengeneration konstant, da nur sekundärer
Implex auftritt.
Kreisahnentafel einer Probandin aus Ostfriesland über 19 Ahnengenerationen. Ahnenimplex (Mehrfachahnen) ist gelb markiert. (Grafik erzeugt mit dem Genealogieprogramm AhnenImplex.)
Zunahme des Ahnenimplexes (in Prozent) einer Probandin aus Ostfriesland über 19 Ahnengenerationen. Implex tritt erstmals in der 7. Ahnengeneration auf (4,7%), ab der 13. Generation bleibt der Implex konstant bei 36,3%, da kein erneuter primärer Ahnenimplex hinzukommt. (Grafik: H. Hungerige, unter Verwendung einer GEDCOM-Datei von Weert Meyer)
Für alle, die sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen wollen, hier ein paar weiterführende Hinweise:
Aus unserer Reihe „Hilfen zur Familiengeschichtsforschung“:
- RzD-Forschungshilfen, Heft 03 - Verwandtenehen, Ahnengeschwister und Ahnenimplex
- RzD-Forschungshilfen, Heft 05 - Berechnung des Ahnenimplex (i) aus Verschwisterungslisten (VSL)
- RzD-Forschungshilfen, Heft 17 - Ahnen- und Nachfahrenimplex: Eine kurze Betrachtung des Problems
Aus unserer Reihe „Roland-Info-Grafiken“:
Die ersten 21 Roland-Info-Grafiken sind auch als Buch erhältlich:
Roland zu Dortmund e.V. (Hrsg.) (2025)
Roland-Info-Grafiken
Ahnenforschung visuell erleben
Hardcover, DIN A4 quer, 56 Seiten, 19,95 €
ISBN 978-3-86424-686-9
Bestellungen bitte ausschließlich über den Verlag:
CARDAMINA Verlag Susanne Breuel
Art-Nr. CHR-00346

