Eine bewegende Bilderreise
Ein neuer Bildband präsentiert das alte Bochum in historischen Ansichten. In den ersten Kapiteln werden die sechs Bochumer Stadtbezirke vorgestellt, zwei weitere Kapitel beschäftigen sich mit den Themen „Bochum und die Eisenbahn“ sowie „Zechen und Fabriken“. Eine Chronik beschließt den Bildband. Das Buch ist eine einzigartige Quelle für alle, die wissen wollen, wo und wie unsere Großeltern gelebt haben. Die Buchvorstellung mit Vortrag findet am 4. Dezember um 19 Uhr in Bochum statt.
Von Heiko Hungerige
Der Klappentext umreißt das ehrgeizige und hervorragend recherchierte Projekt: „‘Bochum – Schaufenster des Reviers‘. Mit diesem Slogan warb die vor mehr als 1.300 Jahren erstmals erwähnte Ruhrgebiets-Metropole in den 1960er-Jahren um ein neues Image. Statt Kohle und Stahl sollten von nun an das modern wiederaufgebaute Stadtzentrum die Menschen im Revier anziehen. Mit rund 160 Abbildungen, Postkartenmotive aus den Jahren 1890 bis 1980, unternehmen die Autoren Hansi Hungerige und Ludwig Schönefeld mit den Leserinnen und Lesern eine bewegte Bilderreise durch die Geschichte der Stadt Bochum. Im Industriezeitalter geprägt von Kohle und Stahl, präsentiert sich die von Herbert Grönemeyer als ‚Blume des Reviers‘ besungene Stadt heute als attraktiver Standort für Forschung und Technologie, hochwertige Dienstleistungen, bodenständiges Handwerk und eine international vernetzte, zumeist mittelständische Wirtschaft. Viele Schauplätze haben sich durch den Transformationsprozess verändert. Als Postkartenmotiv bleiben die historischen Ansichten erhalten und erzählen vom Pioniergeist der Menschen im Revier.“
Und in der Einleitung schreiben die beiden Autoren weiter: „Die Idee, anhand historischer Postkarten einen Blick auf Stadtgeschichte zu werfen, ist nicht neu. Die bisher erschienenen
Publikationen betrachten zumeist nur einen Teil des Stadtgebietes. 50 Jahre nach der Eingemeindung der bis zum 1. Januar 1975 selbstständigen Stadt Wattenscheid ist es an der Zeit, einen Band
vorzulegen, der alle sechs Stadtbezirke in der Reihenfolge ihrer offiziellen Nummerierung einbezieht.“
Dementsprechend gliedert sich das Buch in folgende Kapitel
- Einleitung
- Bochum-Mitte (Innenstadt – Altenbochum – Hordel – Hamme – Hofstede – Riemke – Grumme
- Wattenscheid (Leithe – Mitte – Günnigfeld – Westenfeld – Höntrop – Eppendorf)
- Bochum-Nord (Bergen – Hiltrop – Harpen – Kornharpen – Gerthe)
- Bochum-Ost (Laer – Steinkuhl – Uemmingen – Langendreer – Werne)
- Bochum-Süd (Ehrenfeld – Wiemelhausen – Brenschede – Querenburg – Stiepel)
- Bochum-Südwest (Engelsburg – Bärendorf – Weitmar – Mark – Sundern – Linden – Dahlhausen)
- Bochum und die Eisenbahn (Cöln-Mindener Carolinenglückbahn – Bergisch-Märkische Bahn – Rheinische Bahn)
- Zechen und Fabriken (Hannover / Hannibal – Carolinenglück – Constantin – Präsident – Engelsburg – Holland – Centrum – Lothringen – Dannenbaum – Robert Müser – Mansfeld – Bruchstraße – Prinz Regent – Carl Friedrich – Hasenwinkel – Dahlhauser Tiefbau – Bochumer Verein – Westfälische Stahlwerke – Opel – Westfälische Drahtwerke)
- Chronik
Zu den Autoren
Hansi Hungerige, geboren 1936 unweit der Schachtanlage Vereinigte Präsident in Bochum, hat über Jahrzehnte historische Postkarten seiner Heimatstadt gesammelt. 1943 evakuiert
nach Pommern, flüchtete er 1945 mit seiner Mutter nach Ratzeburg in Schleswig-Holstein. Im Oktober 1953 kehrte er nach Bochum zurück, wo er eine Ausbildung bei der Post begann. Als begeisterter
Gitarrenspieler war Hansi Hungerige damals in mehreren Unterhaltungskapellen aktiv. 1954 stand er mit gleichaltrigen Auszubildenden der Post auf der Bühne. Das auf dem Naturfreundehaus Hedberg in
Dahlhausen aus der Taufe gehobene Gitarrentrio „Omaha“ wurde nach den Vornamen der Gründer – Otto, Manfred und Hansi – benannt. 1957 wurde „Omaha“ in veränderter Besetzung von den „Sunny Boys“
abgelöst. Das musikalische Engagement, die Ausbildung und die spätere Berufstätigkeit bei der Post führten Hansi Hungerige durch das gesamte Bochumer Stadtgebiet. Dabei hörte er manche Geschichte
aus dem alten Bochum. Dieses Wissen gibt er seit 1965 in historischen Publikationen an jüngere Generationen weiter. Trotz der in Ratzeburg geweckten Begeisterung für die Seefahrt, blieb Hansi
Hungerige bis zu seiner Pensionierung im Post- und Fernmeldewesen. Seine 1987 publizierte „Bochumer Postgeschichte“ gilt als Standardwerk. Als Postkartensammler verfügt er über eine der
umfangreichsten Sammlungen zur Geschichte der Stadt Bochum.
Ludwig Schönefeld, geboren 1964 in Gelsenkirchen und aufgewachsen im Schatten der 1963 stillgelegten Wattenscheider Zeche Centrum, ist ein profunder Kenner der Regionalgeschichte
des Ruhrgebiets. 1981 veröffentlichte er als Schüler des Bochumer Gymnasiums am Ostring erste Artikel zur Stadtgeschichte. Eine journalistische Ausbildung und der Werdegang als PR-Fachmann und
Manager international tätiger Industriekonzerne führten ihn zunächst nach Frankfurt am Main, später in die Schweiz. Parallel zum Beruf entstanden bis 1989 drei frühe Bücher über die
Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA). 2020 nahm der studierte Historiker nach längerer, berufsbedingter Pause seine Forschungstätigkeit zur Regionalgeschichte wieder auf. Dabei legt
er großen Wert auf einen engen Austausch mit Archiven, Heimatvereinen und Sammlern. Nach mehreren Websites veröffentlichte er 2024 und 2025 bei GeraNova-Bruckmann drei viel beachtete Text- und
Bildbände zur Verkehrsgeschichte in Witten, Bochum und Gelsenkirchen.
Hansi Hungerige und Ludwig Schönefeld:
Bochum in historischen Ansichten. Eine bewegende Bilderreise.
Erfurt: Sutton.
Gebunde Ausgabe, 128 S., 24,99 €
ISBN 978-3-96303-638-5
Das Buch wird von den Autoren am 4. Dezember um 19 Uhr hier vorgestellt:
Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.
Bergstr. 68a, Kortum-Haus
44791 Bochum
19:00 Uhr – 20:30 Uhr
