Neue Forschungshilfe zu Opfern des Nationalsozialismus

Gedenkbücher, Datenbanken und Archive

Wer zur Geschichte von Opfern des Nationalsozialismus forscht, findet sich oft vor einer Vielzahl verstreuter Quellen wieder. Unsere neue Publikation, Heft 21 der Reihe „Hilfen für die Familiengeschichtsforschung“, schafft hier Orientierung: Sie bietet eine sorgfältig zusammengestellte Übersicht über Gedenkbücher, digitale Datenbanken, Archive und Erinnerungsorte, die bei der Recherche unterstützen. Damit trägt das Heft dazu bei, individuelle Lebensgeschichten sichtbar zu machen und das Gedenken an die Opfer zu bewahren.

Von Inga Guttzeit und Heiko Hungerige

Die Angaben zur Anzahl der Opfer deutscher Massenverbrechen im Nationalsozialismus schwanken zwischen 13,1 und 13,4 Millionen. Bei Wikipedia heißt es dazu:

„Besonders die Zahlen der Holocaust-Opfer wurden seit 1990 mehrfach genau überprüft und die bis dahin ungewisse Zahl der sowjetischen und polnischen Holocaust-Opfer durch neue Quellen exakter bestimmt. Dabei wurde die Mindestzahl von 5,7 Millionen und die wahrscheinliche Gesamtzahl von 6,3 Millionen ermordeten Juden wissenschaftlich gesichert. Das Forschungsinstitut Yad Vashem hat bis 2010 die Namen von 4 Millionen Holocaust-Opfern dokumentiert.“

Gedenkbücher, Datenbanken und Archive versuchen die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu bewahren. Diese Forschungshilfe versucht, eine Übersicht zu geben. Wo Gedenkbücher und Datenbanken noch fehlen, wurden Hinweise auf Erinnerungsorte und Gedenkstätten gegeben.

Für Genealogen/-innen soll sie ein Hilfsmittel sein, um Schicksale von Angehörigen zu rekonstruieren, biografische Lücken zu schließen und historische Zusammenhänge zu verstehen. Durch den Zugang zu Gedenkbüchern, Online-Datenbanken und Archivbeständen wird es möglich, individuelle Lebenswege nachzuvollziehen und die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten – ein Beitrag sowohl zur Familiengeschichte als auch zur historischen Verantwortung.

Die Pinkas-Synagoge (Pinkasova synagoga) im Prager Stadtteil Josefstadt wurde von 1954 bis 1959 in eine Gedenkstätte für den Holocaust, für die jüdischen Bürger der Tschechoslowakei umgewandelt, die während des Zweiten Weltkrieges umgekommen sind. Jiři John und Václav Boštik gestalteten sie so, dass an den Wänden der Räume die Namen von fast 78.000 Menschen, alphabetisch nach Familien und Orten geordnet, aufgeschrieben wurden. 1989 erfolgten Reparaturarbeiten und von 1992 bis 1995 konnten die Inschriften an den Wänden wiederhergestellt werden. (Foto: H. Hungerige)

Die Forschungshilfe erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.

Anmerkung zur 2. Fassung

Zur 1. Fassung unserer Forschungshilfe Opfer des Nationalsozialismus gab es erfreulich viele positive Rückmeldungen, für die wir uns herzlich bedanken. 

Insbesondere danken wir Wolfgang Brozio, Matthias Daberstiel, Andreas Meininger, Viktor Pordzik, Petra Rubow, Marion Weber, Volker Wilmsen und Ernst-Peter Winter für die zahlreichen Ergänzungen zur 1. Fassung.

Wer einen aufmerksamen Blick auf das Titelblatt wirft, wird feststellen, dass wir den Untertitel „Gedenkbücher, Datenbanken und Archive“ in „Linksammlung zur Namensrecherche“ geändert haben. Hintergrund ist, dass viele der uns zugesandten Links zwar auf sehr interessante Websites führen, die eher allgemeine (oder auch speziellere) Informationen zum Nationalsozialismus bereitstellen, aber keine konkrete Suche nach Opfernamen bieten.

Viele dieser Links konnten wir daher nicht aufnehmen, da eine auch nur ansatzweise vollständige Linksammlung zum Nationalsozialismus nicht zu bewältigen ist und jeden Rahmen sprengen würde.

Aus Respekt vor den Opfern folgen wir auch der Empfehlung des „Arbeitskreises zur Erforschung der nationalsozialistischen „Euthanasie“ und Zwangssterilisation“ und verlinken keine Quellen, in denen die vermeintlich „psychiatrischen Diagnosen“ der NS-Opfer mitgenannt sind.